Herzratenvariabilität (HRV)

Als Herzfrequenzvariabilität oder Herzratenvariabilität (HRV) wird die Fähigkeit des Menschen bezeichnet, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern. Wünschenswert sind möglichst große Veränderungen des zeitlichen Abstands zwischen zwei Herzschlägen, was für eine gute Anpassungsfähigkeit des Körpers an seine Umwelt spricht. Bei der HRV- Messung wird die Variabilität zwischen zwei aufeinander folgenden R- Zacken im EKG (Elektrokardiogramm) und damit die physiologische Schwankungsbreite bestimmt.

Wie funktioniert unser vegetatives Nervensystem (VNS)?

Das autonome oder vegetative Nervensystem (VNS) besteht aus drei Komponenten: Sympathikus, Parasympathikus und Darmnervensystem. Das vegetative Nervensystem ist unser übergeordnetes Steuer- und Regulationssystem und sorgt für den reibungslosen "Servicebetrieb" unseres Körpers. Es entzieht sich weitgehend unserem Willen, es arbeitet autonom. Dadurch müssen lebensnotwendige Funktionen wie Atmung, Herzfunktion, Blutdruckregulation, Immunsystem, Drüsen, Verdauung und vieles andere nicht „vom Kopf" gesteuert werden .

Die zwei grossen Hauptnervensysteme des VNS (Sympathikus und Parasympathikus) haben unterschiedliche Aufgaben und ihr harmonisches Zusammenspiel sorgt für einen gesunden, leistungsfähigen Körper. Der Sympathikus ist verantwortlich für Anspannung und körperliche Leistungsfähigkeit, sein Gegenspieler, der Parasympathikus steht für Entspannung und Regenerationsprozesse. Der Sympathikus versetzt uns in Alarmbereitschaft, der Parasympathikus ist für den Entspannungs- und Ruhemodus verantwortlich.

Evolutionsbiologisch sind wir an unsere moderne Umwelt mit ihren zahlreichen Stressoren schlecht angepasst.  Das verursacht eine Fülle von Funktionsstörungen. Unerkannte Regulationsstörungen („Regulationsstarre") im vegetativen Nervensystem (VNS) können eine Gesundheitsgefährdung darstellen und führen langfristig zu Störungen im Organbereich.

Eines der häufigsten Symptome für eine Regulationsstarre im VNS ist der Bluthochdruck. Wird der Sympathikus gereizt, steigt der Blutdruck. Der Puls steigt, damit in kürzerer Zeit mehr Blut transportiert wird, die Muskeln werden besser durchblutet, damit wir schneller reagieren (flüchten) können, und die Verdauung wird zurückgefahren. Wird diese "Fluchtreaktion" durch den Stress des modernen Lebens sehr häufig ausgelöst, werden die Rezeptoren für die Blutdruckregulation in den Gefässen überreizt. Die Folge kann eine manifeste Hypertonie sein.

Die Messung der Herzfrequenzvariabilität oder Herzratenvariabilität macht somit eine verlässliche Aussage über den "Stress"-Zustand des Patienten.

 

Image